Kaninchen und Nager


Im Kleintierbereich, einer der drei Bereiche es Kremser Tierheims, sind vor allem Kaninchen und Nagetiere vorzufinden. Leider verliert auch diese Haustiergruppe oft ihr Zuhause, wobei die Tiere nicht selten einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen werden - ein sicheres Todesurteil. Es kommt auch des Öfteren vor, dass wir Tiere aus artwidrigen Haltungen zu uns holen müssen. Speziell diese Tiere brauchen dann erst einmal Ruhe, um sich von den erlebten Strapazen erholen zu können.

Um unseren Kaninchen und Nagern ein artgerechtes Zuhause bieten zu können, haben wir Ihnen im Folgenden zunächst einmal eine Übersicht über jene Tierarten zusammengestellt, die wir bereits mehrmals bei uns aufnehmen mussten.


Kaninchen

Lebenserwartung: bis zu 12 Jahre

Haltung: mindestens als Paar, besser als Gruppe
              Außen- oder Innenhaltung möglich

Stubenreinheit: je nach Tier möglich

Geschlechtsreife: 3 - 12 Monate (je nach Rasse)

Tragzeit: ca. 30 Tage

Anzahl der Jungen: 4 - 12 Junge pro Wurf

 

Alle "Haustier-Kaninchen", oft fälschlicherweise als Hasen bezeichnet, stammen vom Wildkaninchen ab. Wildkaninchen zählen allerdings nicht zu den Nagetieren, welche beispielsweise mit ihren Pfoten Nahrung halten können, sondern zu den Hasentieren. Trotzdem sind sie mit Hasen nicht gleichzusetzen, denn Wildkaninchen leben im Familienverband und graben kompliziert verzweigte Tunnelsysteme zum Schutz vor Fressfeinden, während Hasen einzelgängerisch leben und zur Flucht ihre berühmten Hacken schlagen, um ihren Fressfeinden zu entkommen.

Demzufolge brauchen Kaninchen Kontakt zu Artgenossen, sowie die Möglichkeit ihren Bewegungsdrang und ihr Buddelbedürfnis auszuleben, aber auch viel Ruhe, da sie lärmempfindliche Fluchttiere sind.


Meerschweinchen

Lebenserwartung: 4 - 8 Jahre

Haltung: mindestens als Paar, besser als Gruppe
              Außen- oder Innenhaltung möglich

Stubenreinheit: nein

Geschlechtsreife: 28 - 35 Tage (Weibchen), 60 Tage (Böcke)

Tragzeit: 59 - 72 Tage

Anzahl der Jungen: 2 - 5 Junge pro Wurf

 

Meerschweinchen stammen ursprünglich aus Südamerika. Dort leben sie wild in Kolonien und nutzen naturgegebene Verstecke, wie Sträucher oder Höhlen, um ihren Fressfeinden zu entgehen. Zur Kommunikation nutzen sie die Körpersprache, sowie eine große Bandbreite an verschiedenen Lauten.

Meerschweinchen benötigen ein großes Gehege mit vielfältigen Versteckmöglichkeiten, den Kontakt zu Artgenossen, sowie viel Ruhe, da sie schreckhafte Fluchttiere sind.


Farbmäuse

Lebenserwartung: 1 - 2 Jahre

Haltung: als Gruppe
              Innenhaltung

Stubenreinheit: bedingt

Geschlechtsreife: 3 - 4 Wochen

Tragzeit: 21 - 33 Tage

Anzahl der Jungen: 4 - 12 Junge pro Wurf

Farbmäuse stammen von wildlebenden Mäusen ab und wurden erstmals vor 3000 Jahren in China gezüchtet. Sie leben im großen Familienverband und haben eine klare Rangordnung, welcher auch mit den eigenen Duftmarken angezeigt wird. Dieser "Mäusegeruch" blieb bei der Domestizierung zum Haustier bestehen.

Die geselligen Kleinnager benötigen unbedingt den Kontakt zu mehreren Artgenossen. Zudem muss ihr Käfig ausreichend Spiel-, Beschäftigungs- und Versteckmöglichkeiten bieten, um den intelligenten Tieren nicht nur Schutz zu bieten, sondern sie auch geistig zu fordern. Wie alle Fluchttiere, benötigen auch Farbmäuse ein ruhiges Zuhause, um nicht ständig unter Stress stehen zu müssen.


Farbratten

Lebenserwartung: 2 - 3 Jahre, oft deutlich kürzer

Haltung: mindestens als Paar, besser als Gruppe
              Innenhaltung

Stubenreinheit: je nach Tier möglich

Geschlechtsreife: 4 - 6 Wochen

Tragzeit: ca. 24 Tage

Anzahl der Jungen: 10 - 15 Junge pro Wurf

Unsere domestizierten Farbratten stammen alle von Versuchstieren in Laboren ab, welche wiederum von der Wanderratte abstammen. Aufgrund ihrer Vorfahren, den äußerst anpassungsfähigen Wanderratten, welche in Sippen von bis zu 200 Tieren leben, haben unsere "Hausratten" einen sehr ausgeprägten Geruchssinn. Dieser spielt in der Natur einerseits bei der Nahrungsbeschaffung, aber auch beim Erkennen von Sippenmitgliedern eine große Rolle, denn wer nicht richtig riecht, wird unerbittlich vertrieben. Ursprünglich lebten Wanderratten in selbst gegrabenen Erdbauten, doch heute sind sie, durch ihre herausragende Fähigkeit sich anpassen zu können, überall anzutreffen, wo sich Fressbares in der Nähe befindet. Auch ihr Gehör und ihr Geschmackssinn sind stark ausgeprägt. Daher kommt auch eine ihrer bekanntesten Eigenschaften, etwas nicht wieder zu fressen, wenn sie selbst oder einer ihrer Sippenangehörigen ein bestimmtes Nahrungsmittel nicht vertragen haben.
Leider haben unsere Farbratten auch ein Merkmal aus ihrer Zeit als Versuchstier davongetragen, nämlich dass sie des Öfteren stark erkranken. Erkennt man die Zeichen allerdings rechtzeitig, so können beispielsweise Tumore frühzeitig behandelt werden und einem artgerechten Rattenleben steht nichts mehr im Wege.

Farbratten benötigen ein großes Gehege, um ihren enormen Bewegungsdrang ausleben zu können. Sie müssen mindestens als Paar gehalten werden, wobei sie das Leben in Gruppen bevorzugen würden und immer wieder durch Intelligenzspielchen und Beschäftigungsangebote gefordert werden, sowie ihren natürlichen Verhaltensweisen nachgehen zu können. Zu diesen zählt klettern, nagen, graben, die Nahrungssuche, sowie der Nestbau mehrerer Rückzugsorte in denen jeweils die gesamte Rattengruppe genügend Platz hat.
Zusätzlich sollte zumindest ein Teil eines Raumes "rattensicher" gemacht werden, um den Nagern auch den täglichen Auslauf unter Aufsicht bieten zu können. Generell gilt auch bei den lärmempfindlichen Farbratten, ein so ruhiges Zuhause wie möglich zu gestalten, damit die Tiere nicht unter Dauerstress stehen müssen.


Hamster

Lebenserwartung: 2 - 3 Jahre

Haltung: Einzelhaltung
              Innenhaltung

Stubenreinheit: je nach Tier möglich

Geschlechtsreife: 3 Wochen

Tragzeit: 16 Tage

Anzahl der Jungen: ca. 8 Junge pro Wurf

Die einzelgängerischen, nachtaktiven Nager haben sich seit langem als Haustiere etabliert. Leider fristen sie sehr oft in engen und ungeeigneten Käfigen ihr kurzes Leben. Hamster benötigen gut strukturierte Gehege mit Möglichkeit ihr Bedürfnis zu graben ausleben zu können. Besonders Goldhamster können zutraulich werden - eine enge Bindung zum Menschen benötigen Hamster jedoch nicht um sich wohl zu fühlen. Sie sind daher auch nicht als "Kuscheltiere" für Kinder geeignet, denn diese unerwünschte Annäherung, welche meist durch Herumtragen verschlimmert wird, löst Stress bei den empfindlichen Beutetieren aus, was zu einer deutlich kürzeren Lebenserwartung oder Krankheiten führen kann.

 

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